Perwanger Presseinformationen

Die Lederindustrie wünscht sich eine Trendwende bei der Bewertung von Outdoor-Materialien

Lorenz Perwanger am alten Stammsitz der Gerberei in Auer, Südtirol, Italien: „Mit unserem Leder tragen wir dazu bei, dass keine Kunststoffe in unsere Wälder und Gebirge getragen werden.”

Die globale Lederindustrie gibt Impulse für den UN-Klimagipfel – Lorenz Perwanger (Gerberei Perwanger, Arzignano Italien) erläutert uns den Hintergrund

Im Vorfeld der UN-Klimakonferenz (COP26) in Glasgow haben führende Vertreter der internationalen Lederindustrie ein Ledermanifest unterzeichnet, in dem Entscheidungsträger aufgefordert werden, natürlichen Fasern wie Leder, Baumwolle und Wolle nun ganz offiziell Vorrang vor synthetischen, auf fossilen Brennstoffen basierenden Materialien zu geben.

Dahinter stehen aktuelle Betrachtungen zur Nachhaltigkeit natürlicher und künstlich hergestellter Materialien im ‚cradle-to-grave‘-Zyklus, also über die gesamte Lebensdauer eines Produkts von der Herstellung bis zur Vernichtung und das jeweilige Potenzial zur Verringerung der Umweltauswirkungen von Konsumgütern.

Die Gerberei Perwanger begrüßt das Ledermanifest. Lorenz Perwanger, Naturmensch und Inhaber des Familienunternehmens, erläutert uns die Gründe: Die Gerberei Perwanger hat sich der Herstellung von qualitativ hochwertigen, extrem robusten Spezialledern für Wander-, Forst- und Arbeitsschuhe verschrieben. Als globaler Lieferant für Schuhe führenden Outdoor-Marken fühlt sich die Südtiroler Traditionsgerberei Perwanger seit mehr als 200 Jahren der Natur verbunden. Und auch heute liegt ein Augenmerk auf dem Schutz des heimatlichen Alpenraums, auf traditionellem Handwerk und einer ganzheitlichen Naturbetrachtung.

Herr Perwanger, was will das Ledermanifest und was wird darin gefordert?

Gerade Naturfreunde möchten auch mit ihren Kaufentscheidungen von Outdoor-Produkten, bei Kleidung, Ausrüstung und Schuhen für die Jagd, für die Forstarbeit, für den Alpinsport oder das Wandern die Natur erhalten und schützen. Gefordert wird in diesem längst überfälligen Manifest nichts weniger als ein Umdenken bei der Bewertung der Umweltschädlichkeit von Synthetikmaterialien gegenüber natürlichem Leder.

Lederprodukten wurde in den vergangenen Jahren in den Medien der Vorwurf gemacht, in puncto Tierschutz und aufgrund einer wasserintensiven Gerbung schädlich und nicht umweltgerecht zu sein. Berichterstattungen über eine Lederherstellung unter verantwortungslosen Arbeits- und Umweltbedingungen in Asien haben auch europäische Lederhersteller in Verruf gebracht und in der Folge zu einem Boom von Synthetikmaterialien bei Outdoor-Ausrüstern geführt.

Diesen Trend möchte der Verbund der internationalen Lederindustrie mit ihrem Manifest nun stoppen und die Umwelt- und Klimaauswirkungen der Rohstoffe für Outdoor-Produkte neu betrachten und richtigstellen lassen.

Vernachlässigt wurde in bisherigen Betrachtungen nämlich vor allem der Blick auf die gesamte Produktlebensdauer – von der Erzeugung des Materials bis hin zur Verbrennung des Endproduktes als Müll. Synthetische Materialien werden unter erheblichem Energie- und Ressourcenverbrauch hergestellt. Die meisten chemisch hergestellten Fasern werden zudem aus fossilen Brennstoffen hergestellt, vereinfacht gesagt: unter Verwendung von Erdöl. Wie klimaschädlich das ist, sollte uns inzwischen eigentlich klar sein.

Herr Perwanger, lassen Sie uns einen Blick auf mögliche Schadstoffe für die Natur und für die Haut werfen.

Dass aufgrund einer Bevorzugung von Kunststoffen gegenüber Leder ein großer Schaden für die Umwelt entsteht, genau darauf möchte das Manifest hinweisen.

Nicht nur der besorgniserregende CO2 Fußabdruck in der Herstellung, sondern auch die Umweltbelastung, die während der Nutzung von Synthetikmaterialien entsteht, sind inzwischen kaum zu übersehen: Um Synthetikmaterialien so komfortabel, wasserdicht und atmungsaktiv zu machen wie Leder, werden diese oft mit PFC (per- und polyfluorierte Chemikalien) behandelt. Die gesundheitsschädlichen PFC-Stoffe aus dem Abrieb von Kleidung und Schuhen werden kaum abgebaut und sammeln sich in der Natur an. PFC lässt sich bereits überall in der Natur bis zu den einsamsten Bergregionen und entlegensten Seen nachweisen.

Mir persönlich liegt der Wunsch nach sachlicher Aufklärung besonders am Herzen, und zwar nicht nur als Hersteller von Leder, sondern vor allem als Bergmensch und Liebhaber unserer alpinen Flora und Fauna. Ich hoffe, im Sinne des Ledermanifestes auch mit meinem Engagement Impulse zum Umdenken zu geben.

Greifen wir auch die bereits genannten Vorwürfe hinsichtlich Tierschutz und Wasserverschmutzung auf: Diese beziehen sich ausschließlich auf verantwortungslose Lederproduzenten.

Für europäische Gerber und für uns gilt das Gegenteil: Wir haben uns zum Beispiel mit der Gerberei Perwanger seit jeher einer einzigartig hohen Lederqualität verschrieben. Und diese fängt bereits bei der Suche nach hochwertigsten Rohstoffe an. Dabei sind wir seit jeher vor unserer eigenen Haustür fündig geworden: Wir veredeln bis heute überwiegend Häute von Rindern aus dem Alpenraum. Diese Bergrinder stammen vielfach aus naturnaher Haltung, sie verbringen die Sommer auf den Almen, etliche ‚unserer‘ Alpenbauern bewirtschaften sogar Biohöfe. Für unsere Wahl haben wir einen guten Grund. Die Häute von den robusten Bergrindern sind dicker und widerstandsfähiger als solche von Rindern aus Stallhaltung, oder schlimmer noch: aus Massentierhaltung. Almrinder haben ein herrliches Leben – draußen in der Bergnatur und in der klaren Luft der hochgelegenen Wiesen.

Besonders wichtig ist mir zu betonen: Kein einziges Tier muss für die Lederherstellung sterben. Die Häute stammen ausschließlich von Rindern aus der Fleisch- und Milchviehwirtschaft. Wir Gerber – hier kann ich wieder für alle europäischen Gerbereien sprechen – veredeln mit der Haut einen Teil des Tieres, der ohne unsere Arbeit einfach Abfall wäre. Wir machen aus den Häuten einen ’natürlichen Rohstoff, der für Jahre oder Jahrzehnte unbedenklich in der Natur genutzt und getragen werden kann.

Lorenz Perwanger: Das sind für mich überzeugende Argumente für Leder

  • Perwanger Leder ist ein Nebenprodukt der Fleisch- und Milchviehhaltung – für Perwanger Leder muss kein Tier sterben.
  • Unser Leder stammt vorwiegend aus dem Alpenraum und zum Teil aus naturnaher Tierhaltung.
  • Die Verwertung der Häute unterstützt die Bauern bei der traditionellen Viehhaltung in den Alpen.
  • Perwanger Leder bietet einzigartigen Tragekomfort für den Fuß.
  • Perwanger Leder ist extrem robust und langlebig.
  • Perwanger Leder ist mit Brief und Siegel schadstofffrei.

Perwanger Leder ist im übrigen nachgewiesenermaßen 100-prozentig schadstofffrei. Das haben wir uns kürzlich erneut mit einer Studie von OEKO-TEX® belegen lassen. Anders als bei vielen Synthetikmaterialien können Naturfreunde bei Perwanger Leder sicher sein, dass keine schädlichen Substanzen an die Haut und in die Umwelt gelangen.

Materialeigenschaften und die Lebensdauer sollten ebenfalls in die Bewertung hinsichtlich der Nachhaltigkeit von Leder einfließen?

Perwanger Leder ist im übrigen nachgewiesenermaßen 100-prozentig schadstofffrei. Das haben wir uns kürzlich erneut mit einer Studie von OEKO-TEX® belegen lassen. Anders als bei vielen Synthetikmaterialien können Naturfreunde bei Perwanger Leder sicher sein, dass keine schädlichen Substanzen an die Haut und in die Umwelt gelangen.

„Mit Perwanger Leder versuchen wir, die einzigartigen Eigenschaften natürlicher Haut zu erhalten und nach Möglichkeit noch zu übertreffen.”

Unser Anspruch ist seit mehr als 200 Jahren, die unvergleichlichen Eigenschaften der natürlichen Haut im Leder zu erhalten … oder wenn möglich, zu erweitern. Falls Sie einen Bergschuh aus Vollleder tragen (Vollleder nennt man den Schuh, wenn Innenfutter und Außenhaut aus Leder sind), dann erleben Sie wahrscheinlich, was ich mit diesen einzigartigen Eigenschaften meine: Unser Perwanger Leder ist zuverlässig wasserdicht wie natürliche Haut – kein Regen oder Wasser kann in den Schuh eindringen. Und dennoch leitet es die Feuchtigkeit von innen nach außen. Der Fuß entwickelt keinen Schweißgeruch und der geschmeidige Tragekomfort von hautfreundlichem Leder ist aus meiner Sicht mit keinem anderen Material zu vergleichen. Zusätzlich verleihen wir mit unseren Gerbverfahren dem Leder eine Kratzfestigkeit und Robustheit, die es möglich macht, dass der Schuh mit ein bisschen Pflege jahrelang, vielleicht ein Leben lang getragen werden kann.

Diese unvergleichlich lange Lebensdauer ist ein wichtiges Argument für die Nachhaltigkeit von Leder gegenüber Kunststoffen, denn mit jedem Paar Schuhe, das nicht weggeworfen und neu produziert werden muss, werden Rohstoffe und Energieressourcen in erheblichem Umfang geschont.

Herr Perwanger, zusammenfassend wünschen Sie sich von Herstellern und Verbraucher einen neuen Blick auf Lederprodukte?

Natürlich – das kann ich mir aufgrund der bereits genannten Argumente für die Bergwelt, für unsere Umwelt und für unsere Zukunft nur wünschen. Der Konsument entscheidet mit jedem Kauf, ob Kunststoffe oder Leder in unsere Wälder und Gebirge getragen werden – und welches Material, Synthetik oder Leder, auf lange Sicht zum Erbe der Menschheit für die Natur werden wird. Da ist meine Meinung ganz klar: Ich wünsche mir vom Verbraucher ein klares Bekenntnis zum Leder und in den Outdoor-Häusern Regale, die völlig frei sind von Produkten aus Plastik.

Unsere Materialien beeinflussen unser Klima

  • Die Welt braucht Materialien, die nachhaltig, erneuerbar, recycelbar und biologisch abbaubar sind und vor allem nicht zur Belastung durch atmosphärischen Kohlenstoff beitragen.
  • Naturfasern wie Leder, Baumwolle, Wolle, Mohair, Alpaka, Seide, Hanf und Myzel sind Teil des biogenen Kohlenstoffkreislaufs und bestehen als solche aus Kohlenstoff, der seit Jahrtausenden in der Atmosphäre vorhanden ist.
  • Diese leicht verfügbaren Rohstoffe sind bei ethisch korrekter Herstellung ein wichtiger Ersatz für fossile Brennstoffe, reduzieren den Bedarf an ihrer Gewinnung und halten mehr Kohlenstoff in der Erde zurück.
  • Darüber hinaus werden ordnungsgemäß hergestellte natürliche Materialien am Ende ihrer Lebensdauer biologisch abgebaut, wodurch ihre Auswirkungen begrenzt und schädliche Emissionen wie die Verschmutzung durch Mikroplastik verringert werden, die häufig mit den synthetischen Materialien verbunden sind, die sie ersetzen.
  • Mit besonderem Bezug auf Leder recycelt der Lederherstellungssektor einen unvermeidbaren Abfall aus der Lebensmittelindustrie, um ein vielseitiges, langlebiges und einzigartiges Material herzustellen, das ideal für die Kreislaufwirtschaft ist, auf die sich die Welt hinbewegen muss.
  • Dieselben Materialien werden jedoch oft aus Mangel an Verständnis für den Herstellungsprozess und seine Lieferkette oder durch die Anwendung fragwürdiger Wissenschaft im Allgemeinen in Form von unvollständigen und unvergleichlichen oder veralteten Ökobilanzen (LCAs) abgewiesen und die Vermarktung neuer, oft auf fossilen Brennstoffen basierender Materialien, die ein unbegründetes Maß an Nachhaltigkeit beanspruchen, gefördert.
  • Wie einige aufkommende klimawissenschaftliche Studien wie das GWP*-Modell zeigen, tragen Produktion und Verwendung biogener Materialien in der Regel nicht zur Erwärmung der Atmosphäre bei, und wo dies der Fall ist, sind die Auswirkungen nur von kurzer Dauer. Dies steht im Gegensatz zu Materialien, die aus fossilen Brennstoffen hergestellt werden, die Kohlenstoff freisetzen, der seit Jahrtausenden im Erdkern eingeschlossen ist und in der Umwelt verbleiben wird und zum Klimawandel beiträgt.

Daher rufen wir, die unterzeichnenden Organisationen, das COP26-Forum auf, …

… die zyklische, klimaeffiziente Natur von Naturfasern und ihr Potenzial anzuerkennen, einen positiven Beitrag zur Reduzierung der Klimawirkungen von Konsumgütern zu leisten.

… die Verwendung von Naturfasern wo immer möglich zu fördern und auf fossile Brennstoffe basierende Materialien zu vermeiden.

… Ökobilanzmethoden zu unterstützen, die Umweltauswirkungen von Materialien auf Basis fossiler Brennstoffe, einschließlich der Eigenschaften am Ende der Lebensdauer, genau berücksichtigen.

… „Slow Fashion“, langlebige Produkte und Artikel, die viele Male verwendet, repariert und überholt werden können und jahrelang halten, zu fördern.

Unterzeichner des Ledermanifests

  • Asociación Española del Curtido (ACEXPIEL – Spanish Tanners’ Association)
  • Associação Portuguesa dos Industriais de Curtumes (APIC – Portugal Tanners’ Association)
  • Association of Dutch Hide Traders (V.N.H.)
  • Australian Hide Skin and Leather Exporters‘ Association Inc. (AHSLEA)
  • Cámara de la Industria de Curtiduría del Estado de Guanajuato – México (CICUR)
  • Cámara Nacional de la Industria de Curtiduría – México (CANALCUR)
  • Centre for the Brazilian Tanning Industry (CICB)
  • Centro Tecnológico das Indústrias do Couro (CTIC – Leather Center in Portugal)
  • China Leather Industry Association
  • Confederation of National Associations of Tanners and Dressers of the European Community (COTANCE)
  • Dutch Association of Leather Chemists & Technicians (NVLST)
  • International Council of Hides, Skins and Leather Traders Association (ICHSLTA)
  • International Council of Tanners (ICT)
  • International Union of Leather Technologists and Chemists Societies (IULTCS)
  • Fachverband der Textil–, Bekleidungs–, Schuh– und Lederindustrie – Berufsgruppe Ledererzeugende Industrie (Austrian Association of Textile, Clothing, Shoe and Leather Industry – Leather Producing Industry Group)
  • Fédération Française des Cuirs et Peaux (French Hides & Skins Association)
  • Fédération Française Tannerie Megisserie (French Tanners Association)
  • Leather and Hide Council of America
  • Leather Cluster Barcelona
  • Leather Naturally
  • Leather UK
  • Leather Working Group
  • One 4 Leather
  • Society of Leather Technologists and Chemists
  • Sustainable Leather Foundation
  • Swedish Tanners Association
  • Turkish Leather Industrialists Association (TLIA)
  • UNIC Concerie Italiane (Italian Tanneries Association)
  • Verband der Deutschen Lederindustrie e.V. (TUV – German Leather Federation)
  • Wirtschaftsverband Häute/Leder (WHL – German Hide and Leather Association)
  • Zimbabwe Leather Development Council

„Unnachahmlich gut: Ein Plädoyer für echtes Leder”

Moderne Verbraucher sind sich beim Einkauf ihrer Verantwortung gegenüber der Umwelt bewusst. Bei der Wahl von Kleidung und Schuhen werden gerne die gleichen Kriterien angewendet, wie sie auch beim Kauf vom Lebensmitteln angelegt werden:

Die Produktionsbedingungen des Schuhwerks oder Kleidungsstück sowie die Herkunft der Rohstoffe sollen möglichst transparent sein, ausbeuterische Herstellungsprozesse und Kinderarbeit sollen vermieden werden, die Rohstoffe sollen rein biologisch ohne Verwendung von Mineralöl und Kunststoffen entstanden sein und, wer es noch besser für sich und die Umwelt meint, achtet auf ein veganes Gütesiegel.

Kann der älteste Rohstoff der Welt moderne Verbraucher überzeugen?

Bei der Übertragung dieser Bewertungskriterien von Lebensmitteln auf Kleidung und Outdoor-Ausrüstung kommen Produkte aus Leder auf den ersten Blick nicht besonders gut weg, auch wenn sie mit hochwertigem Rohmaterial und handwerklich hergestellt wurden. Deshalb kommt es in den vergangenen Jahren zu einem wachsenden Angebot an Kunststoffmaterialien und Leder-Ersatzstoffen. Vielleicht lohnt sich ein zweiter Blick: Können diese in Bezug auf Nachhaltigkeit und Tragekomfort dem traditionellen Leder wirklich das Wasser reichen?

Die zweite Haut aus der Natur

Wir fragen Lorenz Perwanger, den Inhaber der Südtiroler Traditions­gerberei Perwanger und einen der Erfinder des modernen Berg­schuhs: Wie schneidet Leder im Vergleich zu Kunststoffmaterialien zum Beispiel bei Komfort und Langlebigkeit von Bergschuhen ab?

Die Antwort fällt unmissverständlich zugunsten des Leders aus: „Lebendige Haut ist ein Kunstwerk der Natur: Sie schützt seine Träger vor Kälte, Schmutz und Wetter, sie ist absolut wasserdicht und sie lässt beim Schwitzen dennoch Feuchtigkeit von innen in die Umgebungsluft entweichen. Unser Ziel ist seit jeher bis heute, diese positiven Eigenschaften der natürlichen Haut im Leder zu konservieren – und diese hinsichtlich der Langlebigkeit und Robustheit noch übertreffen. Genau das können unsere Leder inzwischen wirklich bieten: Wir liefern unser Spezial-Leder Nepal zum Beispiel für die Produktion der anspruchsvollsten Outdoor-Schuhe weltweit – für den alpinen Spitzensport genauso wie für Forstschuhe und Motorradstiefel. Denn Perwanger Nepal vereint eben diese natürlichen Komfort- und Klimaeigenschaften, welche mit Kunststoffprodukten nur schwer nachzuahmen sind, mit überzeugendem Tragekomfort und Kratzfestigkeit. Unser Leder ist deshalb ganz besonders dann gefragt, wenn es um Zuverlässigkeit und Spitzenleistung geht.”

An der enthusiastischen Antwort von Lorenz Perwanger lesen wir seine Faszination für dieses Material ab, das dem Menschen schon seit Jahrtausenden Schutz vor Nässe, Hitze und Kälte bietet. Und damit ist er nicht allein, denn der Werkstoff Leder ist ein wahrer Allrounder und wird bei Schuhen, Kleidung, Mode- und Living-Accessoires sowie Möbeln eingesetzt. Leder überzeugt nicht nur mit Haptik und Optik, sondern bringt eben auch viele funktionale Eigenschaften wie Langlebigkeit, Reißfestigkeit und Atmungsaktivität mit.

Obwohl das Haltbarmachen der Tierhaut durch Gerben wahrscheinlich das älteste Handwerk der Menschheitsgeschichte ist, werden moderne Gerbverfahren kontinuierlich weiter verfeinert und verbessert. Mit dieser Innovationsbereitschaft ist es der naturverbundenen Südtiroler Familie Perwanger gelungen, das erste wasserdichte und mit der Sohle verklebbare Leder zu produzieren. Eigenschaften, welche die Herstellung unserer modernen atmungsaktiven und wasserdichten Berg- und Wanderschuhe überhaupt erst möglich gemacht haben. Doch werden nicht nur die Ledereigenschaften verbessert, sondern auch der Tierschutz und die Umweltbilanz im Herstellungsprozess stehen im Fokus europäischer Gerbereien.

Modernes Perwanger Leder vereint Komfort und Atmungsaktivität mit Kratzfestigkeit und langer Lebensdauer.

Notwendigkeit für Umweltschutz: PFC-freie Materialien

Unbedenkliche Herstellungsverfahren sollten nicht nur beim Leder Grundbedingung für alle Outdoor-Produkte sein. Viele Hersteller haben auf die Forderungen der Verbraucher nach Transparenz bereits reagiert und legen die Produktionsbedingungen offen.

Beim Thema PFC jedoch spielt die naturverbundene Outdoor-Branche mit ihrem Ruf. PFC-Stoffe verleihen Outdoor- und Arbeitskleidung wie Jacken oder Schuhen wasser-, fett- und schmutzabweisende Eigenschaften und werden deshalb gerne eingesetzt. Unter dem Begriff PFC werden perfluorierte und polyfluorierte Chemikalien zusammengefasst. Es handelt sich häufig um äußerst kontrovers diskutierte PTB-Stoffe, die persistent (dauerhaft), bioakkumulativ (in der Natur und Organismen anreichernd) und toxisch (giftig wirkend) sind. Selbst kleinste Partikel, wie sie zum Beispiel aus dem Abrieb von Jacken und Schuhen entstehen, sammeln sich in der Natur an und bilden eine sich steigernde Gefahr für landwirtschaftlich nutzbare Flächen und unser Trinkwasser. PFC lässt sich bereits bis zu den entlegensten Bergseen überall in der Natur nachweisen.

Lorenz Peranger betont die Unbedenklichkeit von Leder: „Gerade beim akkumulativer und langfristiger Umweltvergiftung kann natürliches Leder besonders punkten, denn Leder ist eine hochwertige und natürliche Alternative zu PFC-behandelten Kunstfasern – Leder hinterlässt selbst nach dem Wegwerfen keine giftigen „Ewigkeitsrückstände” in der Natur. Und gekonnt gegerbtes Leder bietet auch ganz ohne PFC-Stoffe die begehrten Eigenschaften für Outdoor-Produkte: Es ist wasserdicht und gleichzeitig atmungsaktiv, es ist robust und bequem, es hält ein Leben lang und es hinterlässt keine schädlichen Rückstände in der Natur.”

Warum Leder für die Umwelt viel besser ist als sein Ruf

Beim Thema Umwelt und Leder ist der Naturmensch und Gerber Lorenz Perwanger in seinem Element:

Punkt 1: Die Häute für verantwortungs­bewusst hergestelltes Leder stammen ausschließlich aus der Fleisch- und Milchvielhaltung. Sie sind ein reines Nebenprodukt. Würden wir sie nicht zu Leder verarbeiten, müssten sie weggeworfen und vernichtet werden. Für Perwanger Leder muss kein Tier sterben.

Punkt 2: Der Umweltschutz beim Gerbprozess. In fast allen europäischen Gerbereien werden wie bei uns die Gerbverfahren stetig verbessert und es sind moderne ressourcensparende Maschinen im Einsatz. Der Umweltgedanke ist gerade den traditionsbewussten, handwerklich ausgerichteten Gerbern nicht neu. Die Gerberei Perwanger ist bereits vor mehr als 30 Jahren nach Arzignano in Italien umgezogen, um unser Wasser zu schützen. Dort findet sich eine der modernsten Kläranlagen Europas, an die wir seitdem angeschlossen sind.”

Lorenz Perwanger fährt fort: „Schließlich Punkt 3: die lange Haltbarkeit von Leder. Mit ein bisschen Pflege halten Lederschuhe ein Leben lang – früher wurden sie über Generationen vererbt. Diese außerordentlich lange Lebensdauer ist ein wichtiger Punkt bei Nachhaltigkeits­berechnungen unter dem Blickwinkel „cradle to grave” – damit ist die Berücksichtigung des Energie- und Ressourcenverbrauchs eines gesamten „Produktlebens”, von der Herstellung bis zur Vernichtung, gemeint.

Wer Dinge lange nutzt, spart damit Rohstoffe und Energie, die für die Produktion neuer Produkte erforderlich wäre, ein. Ganz abgesehen vom verantwortlichen Umgang mit einem natürlichen Rohstoff wird ein Bergschuh im Laufe der Zeit immer bequemer und die Schrunde und Macken erzählen Geschichten von den Kletter- und Wanderabenteuern, an die man gerne zurückdenkt. So ist Leder auch in diesem Punkt ein Stück wahres Leben.”

 

Für natürliches Leder gibt es keinen Ersatz

Wer durch die Regale der Outdoor-Ausrüster streift, findet eine Vielzahl moderner synthetischer Materialien. Ein Grund für das Ausweichen auf solche alternative Materialien sind die höheren Kosten, die mit aufwändig veredelten und technisch überzeugenden Ledersorten einhergehen. Nun ist es naheliegend, die bewährten positiven Ledereigenschaften auch synthetisch erzeugten Materialien zuzuschreiben. Dazu muss man noch wissen: „Leder“ ist in Deutschland kein gesetzlich geschützter Begriff und zahlreiche Ersatzstoffe werben mit den einzigartigen Eigenschaften des Originals für sich.

Der Dachverband der europäischen Gerber-Verbände COTANCE hat deshalb eine Studie in Auftrag gegeben, die klären sollte, ob solche „Pseudo-Leder“ tatsächlich dieselben Vorzüge wie das Original aufweisen. (Die englischsprachige Studie kann unter https://www.mdpi.com/2079-6412/11/2/226 abgerufen werden.) In der Studie wurden technische Materialeigenschaften wie Robustheit und Langlebigkeit oder Atmungsaktivität genauso untersucht wie die Optik oder Haptik des Materials. Obwohl manche der untersuchten Materialien einzelnen Eigenschaften echten Leders sehr nahe kamen, konnte kein einziger der geprüften Ersatzstoffe sämtliche für Leder charakteristischen Besonderheiten auf sich vereinen. Einige der untersuchten Synthetikmaterialien enthielten dagegen sogar gesundheitsschädliche oder umweltbelastende Substanzen.

„Wir freuen uns natürlich über so ein positives Ergebnis für unser traditionell hergestelltes Leder”, meint Lorenz Perwanger. „Zu der wissenschaftlichen Betrachtung der Studie kommt es für mich natürlich auch auf die subjektiv empfunden Vorteile echten Leders an: Leder vereint die edelsten Charaktereinschaften der natürlichen Haut. Es ist ein warmes, lebendiges Material, dem ich zutraue, dass es mich auch vor den härtesten Herausforderungen der Natur beschützt. Perwanger Leder stammt aus der Bergnatur und wird auch dort getragen. Für mich käme schon deshalb kein anderes Material für meine Bergschuhe in Frage.”